Boryn hatte einmal ein Zuhause in Ungarn. Er lebte bei einem Mann, durfte sogar mit ihm im Bett schlafen und war ein fester Teil seines Lebens. Doch eines Tages verstarb sein Besitzer und Boryn blieb allein in dem Haus zurück.
Unglaubliche zwei Jahre lebte er dort ohne seinen Menschen. Die Nachbarn versorgten ihn mit dem Nötigsten, bis das Grundstück schließlich verkauft werden sollte. Boryn musste das Haus verlassen und damit auch den letzten vertrauten Ort, der ihm geblieben war. Ihn dort einzufangen, war alles andere als einfach. Plötzlich standen fremde Menschen in seinem Zuhause, die ihn mitnehmen wollten. Diese Erfahrung setzte Boryn enorm zu. Als er in unser Partnertierheim Allatbarat in Ungarn kam, war er lange Zeit nicht anfassbar und hatte große Schwierigkeiten, Menschen zu vertrauen. Auch die Leine bedeutete für ihn zunächst extremen Stress.
Mit viel Geduld, Einfühlungsvermögen und kontinuierlicher Arbeit konnte Boryn zu seiner Bezugsperson langsam Vertrauen aufbauen. Boryn hat eine wirklich tolle Entwicklung gemacht! Inzwischen erleben wir einen beinahe ausgewechselten Hund. Boryn zeigt sich freundlich, neugierig, geht mittlerweile sogar auf fremde Menschen zu und läuft richtig gut an der Leine. Dinge, die vor einiger Zeit kaum vorstellbar gewesen wären. Natürlich ist damit nicht plötzlich alles vergessen. Ein Umzug in ein neues Zuhause wird für Boryn erneut eine große Veränderung bedeuten und es kann durchaus sein, dass alte Unsicherheiten zunächst wieder zum Vorschein kommen. Aber Boryn hat uns gezeigt, dass er Vertrauen aufbauen, lernen und sich weiterentwickeln kann. Das Fundament ist da und genau darauf möchten wir nun aufbauen.
Für Boryn suchen wir ein eher ruhig gelegenes Zuhause mit überschaubaren Reizen. Großstadttrubel und ein hektisches Umfeld sind nichts für ihn. Seine zukünftigen Menschen sollten geduldig, einfühlsam und gleichzeitig souverän sein, seine Körpersprache verstehen und ihm die nötige Sicherheit vermitteln können. Anfangs sollte möglichst wenig von ihm erwartet werden. Boryn braucht Zeit, um anzukommen, Vertrauen zu fassen und sich in seinem neuen Alltag zurechtzufinden. Gleichzeitig wünschen wir uns Menschen, die bereit sind, mit ihm weiterzuarbeiten, ihn Schritt für Schritt zu fördern und das bereits Erreichte gemeinsam mit ihm auszubauen.
Boryn ist sicherlich kein Hund, bei dem vom ersten Tag an alles selbstverständlich funktionieren wird. Aber er hat bereits bewiesen, was möglich ist, wenn man ihm die richtige Unterstützung gibt.
Nach zwei Jahren allein in einem Haus und einem langen Weg zurück zum „Vertrauen“ wünschen wir Boryn jetzt vor allem eines: Menschen, bei denen er wieder dazugehören darf!