Tierschutzverein Pfotenhilfe Sauerland

 

Nina Sturm erzählt uns ihre Eindrücke von ihrer Fahrt als Begleiterin eines Transportes  im November 2018

 

Nach einem normalen Arbeitstag  begann für mich die Reise nach Ungarn schon am Mittwochabend mit der Fahrt von Bochum nach Marsberg, so stand einem frühen Start am Donnerstagmorgen (22.11.2018) nichts im Weg.

Um 06.00 Uhr klingelte der Wecker - Zeit zum wach werden blieb uns kaum, denn wir hatten ein straffes Tagesprogramm vor der Brust. Unverzüglich starteten wir mit den Vorbereitungen.

Die Hundeboxen im Transporter mussten noch mal gecheckt werden, ob auch wirklich für alle Hunde die richtige Größe eingebaut war. Anschließend folgten die Decken und Handtücher, die später in den Boxen ausgelegt werden sollten. Die gesammelten Spenden wurden danach eingeladen und gut verstaut. Dann noch mal schnell alles gecheckt, ob wir auch nichts vergessen hatten und dann starteten wir auch schon gegen 09.00 Uhr den Motor vom Transporter mit Kurs auf Kecskemét in Ungarn.

 

Es lagen ca. 1.300 km vor uns und die nächsten 12-13 Stunden sollten wir auf den Straßen von Deutschland, Österreich und Ungarn unterwegs sein. Die Fahrt verlief reibungslos und wir kamen ohne Staus und Wartezeiten gut voran. Gegen 22.30 Uhr hatten wir unseren Zielort Kecskemét erreicht. Ermüdet und erleichtert darüber, dass bis hierher erst einmal alles geklappt hatte checkten wir in unserer Pension ein, in der wir die nächsten Tage verbringen würden.

 

Am nächsten Tag (Freitag, 23.11.18) stand der Besuch im Tierheim Kecskemét an,mit dem wir eng zusammenarbeiten. Das Tierheim besteht aus einem sehr großen Areal mit einer Vielzahl von Zwingeranlangen. Das Tierheim beherbergt circa. 600 Hunde – mal mehr mal weniger. Daher planen wir für Kecskemét, wenn es denn die Zeit erlaubt, immer gerne einen kompletten Tag ein.

Die Fahrt von der Pension zum Tierheim liegt nur wenige Autominuten entfernt, sodass wir uns morgens ein wenig mehr Zeit lassen konnten als den Tag zuvor. Angekommen im Tierheim führte uns der Weg direkt in die Quarantäne Station. Die Quarantäne Station ist die erste Station, die alle Neuankömmlinge durchlaufen müssen. Wenn die Hunde ins Tierheim kommen verbringen sie ihre ersten Wochen in dieser separaten Quarantäneeinrichtung um mögliche ansteckende Krankheiten frühzeitig zu erkennen und um keine der hier lebenden Hunde anzustecken. Ist die Quarantänezeit vorüber und es sind keinerlei Auffälligkeiten oder Krankheiten aufgetreten,dürfen die Hunde in die Zwingeranlagen des Tierheims umziehen. Solch eine Station ist sehr selten anzufinden und keine Selbstverständlichkeit.

Wir wollten sofort nachsehen welche neuen Schützlinge in der Zwischenzeit unserer Abwesenheit eingetroffen waren. Besonders freute ich mich darauf, hier in der Quarantäne Station die Kecel Welpen zu begrüßen, die zusammen mit der Mutter hierher verlegt werden konnten. Pia, unsere Vorsitzende des Vereins, hatte die Welpen bei einem vorherigen Besuch in der Station in Kecel in einer Holzkiste in einer der Zwingeranlage zufällig entdeckt. Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Tierheim Kecskemét konnte die komplette Familie von Kecel nach Kecskemét umziehen und das Tierheim organisierte den Transport. Wir erblickten zudem einige Zwingertüren die offen standen und die somit keine neuen Hunde beherbergten. Das war für den Anfang schon mal ein recht gutes Gefühl!

 

 

Ein Rundgang durchs Tierheim folgte, denn wir wollten uns erst einmal einen Überblick verschaffen.Unser Weg säumte unzählige Zwinger. Immer war es das gleiche Bild, das wir erblickten. Große traurige Augen, die einen sehnsüchtig ansahen. Die einen saßen nur still da, andere sprangen umher und waren sichtlich überdreht. Mit vielen Hunden beschäftigten wir uns persönlich an diesem Tag. Wir verteilten Streicheleinheiten, schmusten und spielten mit vielen von den Hunden. Wir saßen mit ihnen zusammen in ihren Zwingern und machten neue Fotos und Videos für unsere Homepage. Die neuen Fotos und Videos wurden zeitgleich von uns an die Teamkollegen gesendet damit die neuen Infos schnell den Weg auf unsere Homepage fanden. Einige Bewerber bekamen dann extra Videos, damit sie sich nochmal ein Bild von ihrem auserwählten Hund machen konnten.

Zum großen Glück verbrachten wir den Tag im TierheimKecskemét ohne große Vorkommnisse, was leider nicht immer der Fall ist. Die Hunde sind teilweise in sehr großen Zwingeranlagen untergebracht in denen 10 Hunde oder auch mehr leben. Durch diese Umstände gibt es Beissereien und Konflikte, die auch tödlich enden können.

Am Samstag (24.11.18) klingelte der Wecker wieder etwas früher. Heute stand die Fahrt nach Bonyhád und Kecel an. Vor uns lagen ca. 140 Km nach Bonyhád und weitere 80 Km nach Kecel.

In Bonyhád angekommen verschafften wir uns auch hier erst einmal einen groben Überblick. Sofort wurden wir vom lauten Bellen der Hunde in Empfang genommen. Alle standen sichtlich aufgeregt an den Zwingergittern. Bereits aus der Ferne konnte ich direkt einige unserer Schützlinge ausfindig machen, die man bereits schon so lange kennt und seit einiger Zeit begleitet.Teils weil sie schon lange auf ein Zuhause warten oder aber einem sosehr bekannt sind von unserer Homepage und den für sie aufgegebenen Anzeigen in unterschiedlichsten Internetportalen. Unser Gang führte anschließend zu den untergebrachten französischen Bulldoggen, die mit uns reisen sollten. Die Bulldoggen stammen aus einer Zuchtauflösung in Ungarn und wurden in der Tötungsstation Bonyhád abgegeben. Dies waren die ersten Bulldoggen, die wir vermitteln konnten, aber weitere sollten von dem Züchtern noch folgen. Bereits auf der Hinfahrt erhielten wir aus Bonyhád eine schlechte Nachricht, dass eine der Bulldoggen angegriffen wurde und sie einige Verletzungen und Blessuren abbekommen hatte. Die kleine gestromte Bulldogge war in einem separaten Zwinger untergebracht und war merklich eingeschüchtert. Das hintere rechte Beinchen war dunkelblau und sehr angeschwollen. Weitere kleine Bisswunden waren am Rücken und Bein der Bulldogge zu erkennen. Jetzt standen wir vor der Frage ob er reisetauglich war oder eher nicht.

Zuhause hatte ich mir bereits eine Liste mit einigen Hunden erstellt, von denen wir unbedingt aktuellere und schönere Fotos für die Vermittlung benötigten. Nach und nach arbeiteten wir die Liste ab und hatten somit die Möglichkeit einige der Hunde näher kennenzulernen und uns mit ihnen zu beschäftigen. Bei manchen Hunden gestaltete sich das Fotografieren sichtlich einfach. Die Hunde waren so froh endlich mal ein wenig Aufmerksamkeit zu bekommen und waren von Ihrer Art und ihrem Wesen sehr ruhig und verschmust. Andere hingegen waren so überdreht, das es schwierig war überhaupt ein vernünftiges Foto zu knipsen. Auch das Verlassen des Zwingers war nicht so einfach und man musste aufpassen, dass man den Zwinger nicht mit Hund verließ. Durch das permanente Drücken des Auslösers bekamen wir zum Glück auch ein paar schöne Fotos von den aufgedrehten Schützlingen zustande.

Wir sollten Bonyhád nicht alleine verlassen. Ein paar der Hunde durften mit uns nach Deutschland reisen. Kurz bevor wir Bonyhád wieder verlassen mussten, holten wir diese Hunde einzeln aus ihren Zwingern und brachten sie in die vorgesehenen Boxen im Transporter.

Schließlich kam noch weiterer Besuch für das Tierheim Bonyhad hinzu, die Kollegen der Hundehilfe Ungarn waren am Morgen aus der Schweiz angereist. Für einen kurzen Austausch war selbstverständlich noch Zeit bevor wir weiter fahren mussten. In allerletzter Minute durften wir dann noch einen kleinen niedlichen Pekinesen Mischling kennenlernen, der erst ganz frisch in der Station eingetroffen war und den wir dann noch rasch auf die Reservierungsliste setzten.

Mit den Schützlingen aus Bonyhád im Gepäck machten wir uns weiter auf nach Kecel.

 

 

 

Im verregneten Kecel angekommen stellten wir den Transporter direkt vor den Toren der Station ab. Wir waren in der Station angekommen, die mir sehr am Herzen liegt, da mein Hund hier auch einmal gewesen war. Dieser Ort löste in mir durch seine Schlichtheit und seiner Einfachheit mit einer Lage im "Nirgendwo" eine Traurigkeit für alle dort sitzenden Hunde aus. Die verrosteten Zwingeranlagen reihen sich aneinander und sind alle gleich aufgebaut. Der vordere Teil soll als Auslauf dienen und besteht nur aus einer kalten Betonplatte. Im überdachten hinteren Teil befindet sich eine Holzbox, die den Hunden als Unterschlupf dienen soll. Bei dem Erbau der Anlage hat man sich keinerlei Gedanken darüber gemacht was ist wenn mal mehrere Hunde in einem Zwinger untergebracht werden müssen und dies ist nicht selten der Fall.

 

 

 

Auch hier machten wir uns am Anfang ein Gesamtbild und liefen Zwingerreihe für Zwingerreihe ab. Es ist traurig zu sehen wie die Hunde hier untergebracht sind. Gerade jetzt in der bevorstehenden kalten Jahreszeit ist es noch schlimmer. Die Hunde sitzen in viel zu kleinen Zwingern, kaum Schutz vor der Witterung, stehen in ihrem eigenen Dreck. Einige Hunde kennen wir auch hier schon sehr lange. Es ist deprimierend sie bei jedem Besuch wieder anzutreffen. Diese Hunde fristen ein trauriges Leben ohne jegliche Perspektive. Dieses Mal konnten wir neun Hunde reservieren.Hunde die eine Chance haben werden auf eine bessere Zukunft!

Unsere neun reservierten Hunde sollten dann in den nächsten Tagen von dem Tierheim Kecskemét abgeholt werden. Danach erfolgt die Quarantänezeit und später kommen sie in die für uns reservierten und vorgesehenen Zwingeranlagen im Tierheim bis eine Vermittlung stattfindet und sie mit uns reisen dürfen

 

 

Nach dem Besuch in Kecel fuhren wir wieder Richtung Kecskemét. In Kecskemét angekommen holten wir die Bonyhád Hunde aus ihren Boxen und brachten sie für die Nacht in Zwinger unter.

Danach gingen wir mit der Tierheimleitung zu dem gegenüberliegenden Grundstück.  Man wollte uns noch etwas zeigen. Dort angekommen blickten wir auf ein großes freies Feld. Die schönste Nachricht für diesen Tag! Man teilte uns mit, dass wir auf diesem freien Feld eine eigene Zwingeranlage für die Kecel Hunde errichten dürften!! Eine schönere und bessere Nachricht hätten wir nicht mit nach Hause nehmen können.

 

Auch am Sonntag ( 25.11.2018) klingelte unser Wecker wieder einmal sehr früh. Wir hatten mit der Tierheimleitung 07.00 Uhr für die „Beladung“ der Hunde vereinbart.

 

Im Tierheim angekommen packten direkt alle Mitarbeiter mit an und unterstützten uns tatkräftig beim Einladen der Hunde.

Als wir fertig waren blickten wir auf volle Hundeboxen – alle waren belegt. Wir fuhren somit ausgebucht Richtung Heimat. Ein tolles Gefühl!

Wiedermal verbrachten wir den ganzen Tag im Auto und hatten die gleiche Strecke vor uns wie zuvor am Donnerstag. Zwischendurch hielten wir auf Raststätten an, um die Hunde mit Wasser zu versorgen und um nach dem Rechten zu sehen. Zwischendurch gab es auch noch viele Telefonate, um unser Team und die Adoptanten auf den aktuellen Stand unserer Ankunft zu bringen.

Am späten Abend um 21.00 Uhr kamen wir wieder an unserem Startpunkt dem Schutzhof der Pfotenhilfe-Sauerland in Marsberg an. Nur dieses Mal war der Hof nicht menschenleer wie bei der Abfahrt. Es waren viele Leute gekommen, die auf unsere Ankunft sehnlichst warteten. Alle waren angereist, um ihr neues Familienmitglied auf vier Pfoten persönlich in Empfang zu nehmen. Den Leuten stand die Vorfreude sichtlich ins Gesicht geschrieben. Die Ankunft ist für uns und auch seitens der Adoptanten ein aufregendes Ereignis. Nachdem wir den Motor abgestellt hatten begannen wir auch sofort mit den Vorbereitungen für das Ausladen der Hunde.

Die Hunde wurden von uns persönlich und nacheinander aus ihren Boxen geholt. Nachdem wir die Hunde entsprechend mit Geschirr und Halsband gesichert hatten übergaben wir die Hunde an Ihre neuen Familien. Manche Leute bekamen von uns Tipps und kurze Anleitungen, da einige Hunde mit Augen- oder Ohrentropfen weiterhin in ihrem neuen Zuhause versorgt werden mussten. Wir standen den Leuten mit Rat und Tat zur Seite, denn wir wollten die Adoptanten mit dem bestmöglichen Gefühl nach  Hause schicken. Oft kommen gerade bei der Abholung noch Fragen, deshalb ist es wichtig sich dafür Zeit zu nehmen.  Wir sprachen mit den Leuten und beantworteten Ihre Fragen.

Die meisten neuen Hundebesitzer verbrachten noch einen kurzen Moment am Hof im sicher eingezäunten Bereich, um sich ersteinmal mit dem neuen Vierbeiner vertraut zu machen. Auch die verletzte kleine Bulldogge aus Bonyhád holten wir aus ihrer Box, auch sie hatte die Reise mit uns angetreten. Wir hatten uns dafür entschieden sie mitzunehmen.

 Und wieder mal wurde eine weitere Tour in diesem Jahr beendet mit der wir viele Vierbeiner und auch Zweibeiner glücklich machen konnten.

 

An diesem Abend stand für mich noch die Heimreise nach Bochum an. Zwei der Hunde, die wir aus Ungarn mitgebracht hatten begleiteten, mich ins Ruhrgebiet. Eine Kollegin aus unserem Verein sollte die beiden auf Pflegestelle nehmen und da uns nur einige Autominuten trennen nahm ich sie natürlich mit, um ihr den Weg zu ersparen. Vor meiner Haustür trafen wir uns, um die Hunde zu übergeben. Die Fahrt von Bochum nach Witten sollte dann auch die letzte Fahrt für die beiden Vierbeiner vorerst sein.

 

Montag (26.11.2018) … ein neuer Arbeitstag beginnt … nicht nur für mich ...